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Gemälde Alte Meister – Teil I

322 MEISTER DER

322 MEISTER DER ACQUAVELLA-STILLLEBEN, I ISEN 115 UN A 130 IN M Gemäldepaar BLAUE TRAUBEN MIT BLÄTTERN sowie GRÜNE TRAUBEN MIT BLÄTTERN Öl auf Leinwand. 114 x 81 cm und 117 x 89 cm. Dem Gemälde ist eine Expertise von Federico Zeri, vom 09. Juli 1991 beigegeben (in Kopie). Die beiden bedeutenden großformatigen Gemälde wurden als Gegenstücke geschaffen. Über den Auftrag an den Maler und den ehemaligen Ort der erstgeplanten Platzierung ist nichts überliefert. Aufgrund des Themas sowie der Größe ist nicht auszuschließen, dass es sich um Ausstattungswerke für einen höfischen Speisesaal oder eine Sala terrena handelt. Bei der Benennung des Meisters haben wir es mit einem Notnamen zu tun, gewählt nach einem bekannt gewordenen, hochrangigen „Stillleben mit Blumen in einer Vase, Obst und Feldfrüchten“, das sich ehemals im Besitz der Galerie Acquavella in New York befand. Nach diesem Werk wurden aufgrund von Analysen der Technik und des Malstils diesem Meister weitere Stillleben zugeordnet. Dabei wurde vermerkt, dass die zuweilen in die Stillleben eingebundenen Figuren von anderer Hand sind. Dagegen handelt es sich bei dem hier vorliegenden Gemäldepaar um ein Werk ohne fremde Mitarbeit. Für die Identifizierung des Malers wurden bereits mehrere Künstler vorgeschlagen, angefangen von Luca Forte (um 1610-um 1680), Giovanni Battista Crescenzi (1577-1635/60) oder noch weniger überzeugend Pietro Paolini (1603-1681). Bekannt ist inzwischen jedoch, dass dieser Stilllebenmaler im Kreis der Caravaggisten in Rom gearbeitet hat, wohl nicht ohne Einfluss durch den älteren Bartolomeo Cavarozzi (um 1590-um 1625 Rom). In außerordentlich seltener Weise sind in den beiden Stillleben die Trauben und Blätter in Verhältnis zur Natur weit vergrößert wiedergegeben. Das ist wohl auf eine ehemalige Hängung mit größerem Abstand vom Betrachter zurückzuführen. In üppiger Fülle hängen die Traubendolden an den Stängeln jeweils zwischen den Blättern und Rebenzweigen. Von links beleuchtet, ohne erkennbaren Hintergrund, etwa eines Spaliers. Naturnah, einen malerischen Realismus vorwegnehmend, sind auch die bräunlichen Verfärbungen der Blätter durch Pilz, oder auch die partiell erkennbare Überreife einiger Traubenbeeren gezeigt. Insbesondere über die dunkleren Trauben hat sich ein „Spätlese“-Pilz gelegt. Die sprichwörtliche Fülle, die in den beiden Bildern dem Betrachter vorgeführt wird, zeigt die Intensität der barocken Auffassung in der Malerei Roms. Der Unterschied zur Malerei in den Niederlanden wird hier betrachtet man die verführerischen Traube sozusagen handgreiflich. Der Aspekt der „morbidezza“ ist hier in Italien wesentlich naturalistischer aufgefasst, als in der Symbolik für Vergänglichkeit, dem „Memento mori“- Gedanken nördlich der Alpen. Die Tradition der Stilllebenmalerei in Rom hat mit diesem Meister seit Caravaggio wohl seine bedeutendste Nachfolge gefunden. Dabei ist natürlich an Caravaggios bekanntes Stillleben „Früchtekorb“ im Brera-Museum Mailand zu denken. Alberto Cottino hat in seinem Werk über das Stillleben der Ära Caravaggions die Entwicklung dieser Gemäldegattung innerhalb der Römischen Schule dargestellt und in einer Ausstellung nahegebracht (siehe Literatur). Der Gutachter von höchstem Rang, Federico Zeri (1921-1998), durch seine Forschungen auch zu Fälschungsfragen international bekannt geworden, zählt in der hier beiliegenden Expertise den Acquavella- Meister zu den größten Malern des siebzehnten Jahrhunderts in Rom nach Caravaggio. A.R. Literatur: Alberto Cottino (Hrsg.) und Federico Zeri (Kurator), La natura morta al tempo di Caravaggio Katalog anlässlich der Ausstellung in Rom, Musei Capitolini, Electa di Milano 1989, siehe bes. Band 2, Seite 712ff. Ausstellung wiederholt 15.12.1995-14.04.1996. Die Geburt des Barock, Belser Verlag 2001, Katalog zu den Ausstellungen in London, Royal Academy of Arts (Januar-April 2001) und in Rom, Palazzo Venezia (Mai-Juli 2001). M. Gregori, Johann Georg Prinz von Hohenzollern (Hrsg.): Stille Welt Italienische Stilleben, Arcimboldo, Caravaggio, Strozzi. Electa 2002, Ausstellungskatalog zu der Ausstellung in der Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung, München, Dezember 2002-Februar 2003 und Florenz, Palazzo Strozzi, 26.06.-12.10.2003. (1220291) (11) 84 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.

MASE E AUAEA SI IE AIE EEEN 115 AN A 130 IN ME A pair of paintings. BLUE GRAPES WITH LEAVES and GREEN GRAPES WITH LEAVES Both oil on canvas. 114 x 81 cm and 117 x 89 cm. A copy of the expert‘s report by Federico Zeri, dated 9 July 1991 is enclosed. The two important large format paintings were created as counterparts. It is unknown who commissioned the paintings and for which location they were originally intended. Due to the subject and the large size of the paintings it is possible that they were created for a courtly dining room or a Sala terrena. The artist‘s name is a name of convenience chosen after a renowned high-ranking Still life with Flowers in a Vase, Fruit and Crops formerly held at the Acquavella Galleries in New York. Based on the analysis of its painting technique and style other still lifes were attributed to the same painter, whereby it has also been noted that figures occasionally found in the still lifes were created by other painters. However, the pair of paintings on offer for sale here were created without the collaboration of another artist. Several artists were suggested in the past starting with Luca Forte (1610/1615 - ca. 1670), Giovanni Battista Crescenzi (1577-1635) or Pietro Paolini (1603-1681), which is even less convincing. It is by now well-known though that our still life painter worked in the circle of the Caravaggisti in Rome and was probably influenced by the older Bartolomeo Cavarozzi (1590-1625 Rome). The tradition of still life painting in Rome has probably found an important follower in this master. Naturally Caravaggio‘s famous still life Basket of Fruit held at the Brera Museum Milan springs to mind. In his book about still life painting during this period, Alberto Cottino outlined the development of this genre within the Roman School and illustrated it in an exhibition (see literature). The high-ranking expert Federico Zeri (1921-1998), also internationally renowned for his research into forgeries, considers the paintings on offer for sale here as works by the Master of the Acquavella Still Life, one of the greatest masters of the 17th century in Rome after Caravaggio. Literature: A. Cottino (ed.) and F. Zeri (curator), La natura morta al tempo di Caravaggio, catalogue for an exhibition in Rome, Musei Capitolini, Electa di Milano 1989, especially see vol. 2, pp. 712 ff. Exhibition repeated 15 December 1995 - 14 April 1996. Die Geburt des Barock, Belser Verlag 2001 (catalogue for the exhibitions in London, Royal Academy of Arts (January - April 2001) and in Rome, Palazzo Venecia (Maz - July 2001). M. Gregori, Johann Georg Prinz von Hohenzollern (ed.), Stille Welt Italienische Stilleben, Arcimboldo, Caravaggio, Strozzi, Electa 2002. (catalogue for the exhibition at the Kunsthalle der Hypo Kulturstiftung, Munich, December 2002 - February 2003 and Florence, Palazzo Strozzi, 26 June - 12 October 2003. € 240.000 - € 300.000 INFO | BIETEN Translate all texts into your preferred language on our homepage via Google: www.hampel-auctions.com 85

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