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Alte Meister – Teil 1

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358 LUCA GIORDANO,

358 LUCA GIORDANO, GENANNT „FA PRESTO“, 1632/34 NEAPEL 1705 EBENDA Giordano war Schüler von Jusepe de Ribera (1588/91- 1652), wirkte nach seiner väterlichen Lehre in Rom unter Pietro da Cortona (1596-1669), wurde alsbald durch zahllose Aufträge geehrt, um die italienischen Paläste mit Fresken und Ölbildern auszustatten. In flotter schneller Malweise geübt, war er in der Lage, mehr Werke zu schaffen als seine Kollegen. 1690 wurde er nach Spanien berufen, wo er unter Karl II 13 Jahre wirkte und zum Ritter ernannt wurde. In dieser Zeit entstanden seine besten Arbeiten in der Kirche San Lorenzo in Escorial. DER PHILOSOPH THALES VON MILET Öl auf Leinwand. 105 x 91 cm. Beigegeben in Kpoie eine von Nicola Spinosa vom 28. Juli 2011, Neapel, mit zahlreichen Stil- und Werkverweisen. In Giordanos alle Themenbereiche tangierendem Werk finden sich auch eine Reihe von Philosophenportraits, in die das vorliegende Bild einzuordnen ist. Hier wird der Philosoph Thales im Dreiviertelbildnis gezeigt, wie er mit der rechten Hand die mathematisch-geometrische Theorie vorzeigt, im Gürtel, sowie im offenen Wams, weitere Schriftstücke. Die Aufschrift auf dem aufgerollten Papier „MISON TAL HOR PENTITU/ D‘HA- VER FAVELATO MA/ D‘HAVE TATIVTV MEI“, lässt sich übersetzen mit „Manchmal hab ich meine Worte bereut, niemals mein Schweigen“. Es muss bemerkt werden, dass in diesem mehrdeutigen Spruch auch die Anspielung auf den Namen Thales enthalten ist. Das Gemälde entstand sicher im Rahmen einer mindestens zwölfteiligen Serie von Prophetenbildern der Antike, wie sie im 17. Jahrhundert beliebt und verbreitet war. Die Abgerissenheit der Kleidung des Philosophen Thales ist hier jedoch nicht, wie früher angenommen, aus dem zeitgenössischen Volksleben übernommen, sondern tatsächlich Verweis auf eine Charakteristik des griechischen Philosophen. Auch sind Kopfform, Physiognomie und das kurze Barthaar für diesen Philosophen aus zahlreichen antiken und späteren Darstellungen überliefert. Das Gemälde in flottpinseliger Malweise, die in der Farbigkeit noch stark an den Stil des Lehrers von Giordano, Jusepe de Ribera, erinnert, der ebenfalls in Neapel gewirkt hat. Anmerkung: Entgegen der Meinung von Nicola Spinosa, handelt es sich hier jedoch nicht um den Philosophen Demokrit, sondern um Thales von Milet (um 624-um 546 v. Chr.). Thales war ein griechischer Naturphilosoph, Staatsmann, Mathematiker und Astronom. Seit Aristoteles gilt er als Begründer von Philosophie und Wissenschaft. Obschon kaufmännisch fähig, sich Reichtum zu erwerben, nahm er davon bewusst Abstand, wonach man ihm seine Armut vorhielt, vermutlich um zu beweisen „...dass man mit der Philosophie nicht sehr weit komme...“ (Aristoteles über Thales von Milet). Von Thales stammt der berühmte Lehrsatz des Verhältnisses zwischen Dreieck und Kreis. Die geometrische Grundlage dieser Lehre hat der Maler auch hier im Bild auf den Papierbogen, den der Philosoph in der rechten Hand hält, wiedergegeben. Zugleich hat Luca Giordano den Philosophen auch in der ärmlichen Kleidung gezeigt, wie sie als Charakteristikum für den Philosophen tradiert ist. Der Meinung von Nicola Spinosa, es handle sich hier um den Philosophen Demokrit, kann schon aus den gesagten Gründen nicht zugestimmt werden; zudem existiert tatsächlich ein Gemälde von der Hand Luca Giordanos, betitelt „Demokrit“, das den Philosophen lachend darstellt, da Demokrit überlieferungsgemäß als der „lachende Philosoph“ seit der Antike in allen Darstellungen in dieser Weise wiedergegeben wird. Auch Luca Giordano hat in seinem Demokrit-Bildnis den Philosophen lachend wiedergegeben. (1210891) (11) € 25.000 - € 35.000 Sistrix INFO | BIETEN 72 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 5.000 additional images.

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