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Möbel & Einrichtung, Uhren, Kunsthandwerk, Russische Kunst, Dosen, Miniaturen, Schmuck, Armbanduhren

9 COODE RIN U SIN Höhe:

9 COODE RIN U SIN Höhe: 86 cm. Breite: 132 cm. Tiefe: 70 cm. Paris, Louis XIV-Epoche, um 1710. Aufbau in Eichenholz, furniert „à quatre couleur“ mit geschwärztem Birnbaum, diverse einheimische Hölzer, darunter Esche, Wurzelholz, Tropenholz, Beineinlagen. Feuervergoldete Bronzebeschläge. Beeindruckender Peinture en bois-Effekt, auf geschwärztem Fond, inspiriert von den großen Blumen- und Stilllebenmalern der Zeit wie Jean Baptiste Monnoyer (1636-1699). Kompakter, geradliniger Korpus mit drei Schubfachetagen auf kurzen Füßen, die hier in bronzevergoldeten Sabots in Form von Bocksbeinen stecken. Das Möbel erhält durch die risalitartig vorspringenden geschweiften Seitenstollen an den Ecken sowie durch eine mittig heruntergezogene Schürze an der Zarge eine barock geschweifte Silhouette. Die drei übereinandergelagerten Schubladen sind jeweils durch eine mit zartem Flechtband ornamentierte Traverse voneinander getrennt. Die Front ist auf der Höhe der Handhaben zu beiden Seiten leicht gebaucht und besitzt ein zurückgesetztes Mittelfeld für die Schlüsselschilder. In Vergoldung vor dem schwarzen Holzfond aufscheinend, sind die Schlüsselschilder in der Form von vasenartigen Kartuschen mit aussprießenden Blütenzweigen ingeniös in die Marketerie einbezogen. Seitlich schließt sich ein querrechteckiges Feld mit achsensymmetrisch kandelaberartigen Blumenranken in sehr fein ausgeführter Marketerie an. Darauf sind die Schubladengriffe mittig gesetzt. Die Seiten zieren symmetrische, aus Akanthusranken wachsende Blumenbouquets. Oberer Abschluß ist die vorkragenden Platte der Kommode, deren Kante durch einen starken Messingrahmen geschützt wird. Sie zeigt ein reiches Marketeriebild, in der sich Ornamentales, Figürliches und Florales eng verquickt. Im Zentrum der Komposition steht eine vornehme, antikisch kannelierte Vase aus der ein üppiges Blumenbouquet von Rosen, Nelken, Narzissen und Jasminblüten hervorquillt. Von einem schirmartigen Baldachin bekrönt, steht die Blumenvase auf einer Platte von Eschenholz, dessen Maserung die Struktur von Marmor imitiert. Getragen wird diese Tischplatte von zwei mächtigen Voluten, die Teil einer kräftigen, mehrfach eingeschwungenen Kartusche sind, die das gesamte Bouquet umfasst. Vor dem schwarzen Fond erscheint die Kartusche von hellem Wurzelholz, in welche florale Verzierungen eingelegt sind, auffällig akzentuiert. Die Kostbarkeit des dargestellten Blumenschmucks verbindet sich mit dem Geschmack für das Kuriose und Kunstvolle. Mehrere groteske Masken in rotem Holz schmücken den Kartuschenrahmen, der von den Blüten- und Akanthusranken umflochten ist, wobei die Überschneidungen der Motive die Meisterschaft des Marketeurs deutlich macht. Von besonderer Virtuosität ist die Wiedergabe der Blumenarrangements in den beiden oberen Ecken des Tableaus. Im linken Eckfeld brilliert der Meister, indem er seine Beobachtungsgabe mit einer selbsterdachten Schwierigkeit auf die Probe stellt: er schaffte es, welke Tulpen darzustellen. In der rechten Ecke hingegen zeigt sich ein Schmetterling, der sich auf manche Blüten gesetzt hatte, und inzwischen fortgeflogen ist. Auffällig ist die Verwendung von weißem Bein für die auf allen Seiten zu findenen Jasminblüten. Bezüglich der Zuschreibung an die Werkstatt Gaudron lässt sich sagen, dass die ersten Kommoden als Einführung eines neuen Möbeltypus generell, in der Werkstatt des Ebenisten Renaud Goudron hergestellt wurden. So sind sie in den Inventaren des könglichen Garde- Meuble für die Jahre 1693 und 1695 belegt. Zu den frühen Kommoden gehören die beiden berühmten, in Schildpattfurnier mit Metalleinlagen und Bronzeschmuck gearbeiteten Stücke, die André Chalres Boulle (1708-1709) für den König in den Grand Trianon lieferte (Boulle bezeichnete den Typus noch 1709 als Bureau). Vier Jahre später ist die Verwendung einer floral marketierten Kommode zu belegen, und zwar bei einem Verwandten des Sonnenkönigs, dem Kurfürsten Max Emanuel von Bayern, an dessen Exilhof im Schloss von Compiègne, wo der Kurfürst als Gast des Königs logierte. Es handelt sich um zwei Möbel, die Gaudron am 29. Juli sowie am 07. August 1713 im Auftrag des Intendanten des königlichen Garde-Meuble, Moïse-Augustin de Fontanieu, zur Ausstattung der vom Kurfürsten genutzten Gemächer nach Compiègne lieferte. Das Journal du Garde-Meuble verzeichnet ihre Lieferung unter der Nummer 562, eine einfachere „Commode de bois d‘olivier“, und unter der Nummer 563 „Une autre Commode de marqueterie de bois de plusieures couleurs fond d‘Ebène, ornée au milieu d‘un vase remply de fleures posé sur un bout de table et un masque grotesque au dessous; le reste remply de rainceaux, fleurs, oiseaux et papillons au naturel, le tout enfermé par trois filets de bois blanc; la commode aiant trois grands tiroirs dont les entrées des serrures et anneaux sont de cuivre d‘oré. Longue de 4 pieds sur 25 pouces 12 de large et 30 pouces 12 de haut.“ Ihr Schöpfer, der Hofebenist Renaud Gaudron, belieferte das königliche Möbeldepot zwischen 1686 und 1713 und schuf einen Großteil des Mobiliars in den Königsschlössern. Gaudrons Kommoden besitzen eine ihnen eigene stilistische Ausprägung. Hinsichtlich ihrer schweren dreischübigen Korpusse, die auf kurzen Füßen ruhen, gleichen die beiden Möbel aus Compiègne der hier besprochenen Kommode. Auch die Maße von ca. 86×130×72 cm bei Nr. 563 sind nahezu identisch. Während die erste Kommode mehrheitlich mit europäischem Holz furniert war, zeigt das Möbel Nr. 563 auf der Platte die charakteristische Darstellung „...d‘un vase remply de fleures posé sur un bout de table“ in polychromer Holzmarketerie. Die nach Compiègne gelieferte Kommode dürfte der hier besprochenen zum Verwechseln geähnelt haben; identisch sind sie aufgrund der unterschiedlichen verwendeten Materialien hingegen nicht. Entsprechend dem Rang eines königlichen Prinzen in Frankreich besaß das Max Emanuel gelieferte Exemplar eine noch kostbarere Verarbeitung mit vergoldeten Beschlägen auf Ebenholzfond. Anzumerken hinsichtlich der Furniere ist aber, dass die Liebhaber von künstlerisch anspruchsvollem Mobiliar, etwa Kurfürst Max Emanuel, durchaus Möbel von schlicht schwarz gebeiztem Holz statt Schildpatt oder Ebenholz schätzten, wenn nur das Stück dem neuesten Geschmack entsprach. So wird im Schlafzimmer des Kurfürsten im Mittelbau von Schloss Nymphenburg 1716 eine solche Régence- Kommode inventarisiert, die der Verfasser noch nicht unter ihrem französischen Namen zu klassifizieren wusste „1 Nachtzeug Tisch mit 3 doppelten Schubladen von schwarz gepaisten Holz, mit Mässing schön eingelegt, und solchen Handtheben, ist von denen erst aus Franckreich khommenen Mobilien.“ 28 HAMPEL ONLINE Visit www.hampel-auctions.com for around 6.000 additional images.

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