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Gemälde Alte Meister, Teil 1

644 François André

644 François André Vincent, 1746 Paris – 1816 ebenda Der Künstler war Hofmaler des französischen König Ludwig XVI und später Professor an der Kunstakademie. Zusammen mit Jacques Louis David (1748 – 1825) und Jean-Honoré Fragonard (1732 – 1806) gehört er zu der Neoklassischen Bewegung in der französischen Kunst. APOLLO UND VESTA Öl auf Leinwand. Doubliert. 98,5 x 136 cm. Verso Sammleretikett mit Wappen der Grafen de Sellon, mit Inventarnummer „133“ sowie Etikett mit Nummer „168“. Im vergoldeten klassizistischen Rahmen. Für die Bildkunst des Klassizismus kann ganz allgemein gesagt werden, dass die Themen der antiken Literatur nun in ganz neuer Sichtweise nahegebracht wurden. Die Sagen und Legenden waren dem gebildeten Publikum geläufig. Die humanistische Schulung, die Kenntnis der Werke Diderots oder Winckelmanns, auch das jüngst erwachte Interesse an den Ausgrabungen etwa in Pompeji, hat sich auch in den Bildthemen der Ausstellungssalons niedergeschlagen. Die Literatur wie die Bildkunst aber sahen sich nun im Auftrag, die Geschehnisse seelisch nachempfindbar darzustellen. So ist auch der erzählerische Inhalt des vorliegenden Gemäldes zu verstehen: Apollo, der Sonnengott, begehrt Vesta, die Schwester des höchsten Gottes Zeus. Diese jedoch gelobt die priesterliche Keuschheit, weist ihn sanft zurück und wird zur Hüterin des heiligen Feuers. In Folge dieser Legende galt Vesta als Göttin des römischen Wohlergehens für die Städte und im Hause, verehrt durch zahlreiche Vestatempel. Diesem Thema und dem Stil des Klassizismus gemäß ist diese kurze Ereignisdarstellung in „edler Einfachheit“ wiedergegeben. Ein bühnenhaft komponierter Raum ist Ort der Handlung. Vesta steht – züchtig weiß gekleidet – im Bildzentrum. Sie wendet sich mit erhobener rechter Hand nach links dem flackernden Feuer in einem Dreifuß zu, während Apollo, rechts sitzend, nur mit einem Tuch bekleidet, seine Hand ebenso begehrend wie vergeblich nach ihr ausstreckt. Seine am Boden liegende Leier symbolisiert gleichsam die Wirkungslosigkeit seiner Werbung. Die nahezu X-förmig überkreuzt gezeigten Arme der Beiden bezeichnet auch kompositionell geradezu eindringlich deren Unvereinbarkeit. Am linken Bildrand wird die Szene kompositionell überhöht durch eine auf hohem Sockel stehende, goldglänzende Figur der Göttin Athena mit Helm und Lanze, Symbol der Weisheit. Der Raum ist durch Dreifuß, Statue, kannelierte Säulen und Pfeiler im Hintergrund als Verweis auf eine Tempelatmosphäre zu sehen. Hier gilt es auch anzumerken, dass das vorliegende Gemälde mit dem Hauptwerk Vincents im Louvre in engster Verbindung steht. Dies gilt sowohl für die Gestaltung der Figuren, der Gesichter, als auch der Details, wie die Athenafigur auf dem Sockel. Elemente, die sich etwa auch in seiner Zeichnung „Pyrrhus am Hof des Glaucus“ wieder finden (Louvre). Durch ein Schriftstück des Auftraggebers Comte d’Angiviller erfahren wir, dass sowohl David als auch Vincent Repliken der großen Historienbilder für das Sammlerpublikum geschaffen haben. Es soll nicht übersehen werden, dass in unserem vorliegenden Bild trotz des antiken Inhaltes auch ein französisch-nationaler Aspekt Eingang gefunden hat: die Farbkomposition zeigt ganz deutlich die Dominanz der Trikolore: im Weiß der Vestakleidung, dem Blau des Hintergrundes als Fensterausblick und im Rot des Umhanges für Apollo. Zudem thematisiert das Bild ganz unterschwellig auch das Ende des „Apollinischen Sonnenkönigtums“ in Frankreich. Vincent gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des Klassizismus in Frankreich, wenngleich weniger bekannt als die berühmteren Maler Jean-Honoré Fragonard (1732 – 1806) oder Jaques Louis David (1748 – 1825). Als Sohn eines Miniaturmalers wirkte er zunächst im Atelier des Joseph-Marie Vien (1716 – 1809) und wurde alsbald mit dem Preis Grand Prix geehrt. 1768 erhielt er den Prix de Rome, woraufhin er sich im Atelier von Charles-Joseph Nattoire (1700 – 1777) weiterbilden konnte. 1775 in Italien, wurde er in der Académie de France aufgenommen, um schließlich 1790 zum Hofmaler Ludwigs XVI erhobenund in der Folge zum Professor an der Académie Royale ernannt zu werden. Schon am Vorabend der Revolution brachte ihm sein Ansehen Aufträge von höchstem Rang ein, wie etwa 1787 die Schaffung von Historienbildern für Louis XVI, und zwar zusammen mit Jaques Louis David (1748 – 1825). Auftraggeber war der Comte d´Angiviller. Diese beiden Werke, Davids „Liktoren bringen Brutus die Leichen seiner Söhne“ und Vincents „Zeus und die Jungfrauen von Croton“, wurden schon seinerzeit als Ausdruck höchster königlicher Auftragsehre gleichrangig gesehen, sie befinden sich heute im Pariser Louvre. Letzteres wurde bei Sotheby’s am 08.06.2007 für Euro 460.000 versteigert, hier abgebildet zum Vergleich. AR Provenienz: Sammlung der Grafen von Sellon, Genf (Verso altes Sammlungsetikett Nummer 13 und Nummer 168 der Sammlung de Sellon). Bayerische Privatsammlung. Anmerkung: François André Vincent wurden höchste künstlerische Aufgaben zugedacht, so wurde er noch am Vorabend der französischen Revolution 1787 neben Jacques Louis David (1748 – 1825) mit der Herstellung eines Historienbildes für Ludwig XVI betraut. (1190164) (11) tions.com 166 For around 6,500 additional detailed images: www.hampel-auctions.com

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